ESC 2016 in Stockholm: Jamala gewinnt mit „1944“

ESC 2016 in Stockholm: Jamala gewinnt für die Ukraine mit „1944“ und 534 Punkten. Neues Voting, alle Platzierungen mit Jury- und Publikumspunkten.

Aktualisiert am 5 Min. Lesezeit

Jamala im dunkelblauen Gewand reckt auf rot beleuchteter Bühne die Hand nach oben, ESC 2016
Foto: Albin Olsson, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Den ESC 2016 gewann Jamala für die Ukraine: Mit „1944“ holte sie am 14. Mai 2016 in Stockholm 534 Punkte, 23 mehr als Dami Im aus Australien. Es war das erste Jahr mit dem neuen Wertungssystem, in dem Jury und Publikum getrennt Punkte vergeben. Deutschland wurde mit Jamie-Lee und „Ghost“ Letzter.

ESC 2016 auf einen Blick

  • Sieger: Jamala (Ukraine)
  • Song: „1944“, von Jamala mitgeschrieben
  • Punkte: 534 (211 von den Jurys, 323 aus dem Televoting)
  • Austragungsort: Ericsson Globe, Stockholm, Schweden
  • Datum: Finale am 14. Mai 2016, Halbfinals am 10. und 12. Mai
  • Moderation: Petra Mede und Måns Zelmerlöw
  • Teilnehmer: 42 Länder, 26 Beiträge im Finale
  • Deutschland: Jamie-Lee mit „Ghost“, Platz 26 mit 11 Punkten (Deutschland beim ESC 2016)

Die komplette Rangliste des ESC 2016

Alle 26 Finalbeiträge mit Platz, Gesamtpunkten sowie den Punkten von Jury und Publikum, dazu die im Halbfinale ausgeschiedenen Länder. Deutschland ist fett markiert.

Endergebnis des ESC 2016 in Stockholm, Finale am 14. Mai 2016 – Quellen: en- und de-Wikipedia, abgeglichen; Stand 14. Oktober 2026
PlatzLandInterpretSongPunkteJuryPublikum
1UkraineJamala„1944“534211323
2AustralienDami Im„Sound of Silence“511320191
3RusslandSergey Lazarev„You Are the Only One“491130361
4BulgarienPoli Genova„If Love Was a Crime“307127180
5SchwedenFrans„If I Were Sorry“261122139
6FrankreichAmir„J'ai cherché“257148109
7ArmenienIveta Mukuchyan„LoveWave“249115134
8PolenMichał Szpak„Color of Your Life“2297222
9LitauenDonny Montell„I've Been Waiting for This Night“20010496
10BelgienLaura Tesoro„What's the Pressure“18113051
11NiederlandeDouwe Bob„Slow Down“15311439
12MaltaIra Losco„Walk on Water“15313716
13ÖsterreichZoë„Loin d'ici“15131120
14IsraelHovi Star„Made of Stars“13512411
15LettlandJusts„Heartbeat“1326963
16ItalienFrancesca Michielin„No Degree of Separation“1249034
17AserbaidschanSamra„Miracle“1174473
18SerbienSanja Vučić Zaa„Goodbye (Shelter)“1153580
19UngarnFreddie„Pioneer“1085256
20GeorgienNika Kocharov and Young Georgian Lolitaz„Midnight Gold“1048024
21ZypernMinus One„Alter Ego“964353
22SpanienBarei„Say Yay!“776710
23KroatienNina Kraljić„Lighthouse“734033
24Vereinigtes KönigreichJoe and Jake„You're Not Alone“62548
25TschechienGabriela Gunčíková„I Stand“41410
26DeutschlandJamie-Lee„Ghost“11110

Im Halbfinale ausgeschieden (16 Beiträge)

ESC 2016: nicht für das Finale qualifizierte Beiträge mit Platz und Punkten im Halbfinale – Quellen: en- und de-Wikipedia, abgeglichen; Stand 14. Oktober 2026
HalbfinalePlatzLandInterpretSongPunkte
Halbfinale 111Bosnien und HerzegowinaDalal and Deen feat. Ana Rucner and Jala„Ljubav je“104
Halbfinale 112San MarinoSerhat„I Didn't Know“68
Halbfinale 113MontenegroHighway„The Real Thing“60
Halbfinale 114IslandGreta Salóme„Hear Them Calling“51
Halbfinale 115FinnlandSandhja„Sing It Away“51
Halbfinale 116GriechenlandArgo„Utopian Land“44
Halbfinale 117MoldauLidia Isac„Falling Stars“33
Halbfinale 118EstlandJüri Pootsmann„Play“24
Halbfinale 211MazedonienKaliopi„Dona“88
Halbfinale 212BelarusIvan„Help You Fly“84
Halbfinale 213NorwegenAgnete„Icebreaker“63
Halbfinale 214SlowenienManuElla„Blue and Red“57
Halbfinale 215IrlandNicky Byrne„Sunlight“46
Halbfinale 216AlbanienEneda Tarifa„Fairytale“45
Halbfinale 217DänemarkLighthouse X„Soldiers of Love“34
Halbfinale 218SchweizRykka„The Last of Our Kind“28

So lief der ESC 2016

Der ESC 2016 war die 61. Ausgabe und nach 1975 und 2000 der dritte in Stockholm. Gespielt wurde im Ericsson Globe, moderiert von Petra Mede und Vorjahressieger Måns Zelmerlöw.

Die große Neuerung war das Voting, zum ersten Mal seit 1975 grundlegend geändert. Jedes Land vergab nun zwei Punktesätze, einen von der Jury und einen aus dem Televoting. Erst wurden die Jurypunkte Land für Land verkündet, danach kamen die zusammengezählten Zuschauerpunkte aller Länder, beginnend mit dem Land mit den wenigsten Stimmen. Das sorgte sofort für Spannung: Australien gewann mit Dami Im die Jurywertung, Russland mit Sergey Lazarev das Televoting. Jamala lag in beiden Wertungen auf Platz 2 und gewann trotzdem, zum ersten Mal seit 2009 ohne Sieg in einer der beiden Wertungen.

42 Länder waren dabei. Rumänien wurde kurz vor dem Wettbewerb disqualifiziert, weil der Sender TVR Schulden bei der EBU nicht beglichen hatte. Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien und die Ukraine kehrten zurück. Tschechien erreichte zum ersten Mal ein Finale, Griechenland und Bosnien-Herzegowina schieden dagegen erstmals im Halbfinale aus.

Im Finale trat Justin Timberlake im Pausenprogramm auf, außerdem gab es den Sketch „Love Love Peace Peace“, eine Persiflage auf frühere ESC-Auftritte. Für ein Nachspiel sorgte eine dänische Jurorin, die ihre Rangliste versehentlich umgekehrt abgegeben hatte. Richtig gewertet wäre Jamalas Vorsprung von 23 auf 9 Punkte geschrumpft. Zugesehen haben 204 Millionen Menschen.

Der Siegersong: „1944“

„1944“ erzählt von der Deportation der Krimtataren im Jahr 1944. Die Strophen sind auf Englisch, der Refrain auf Krimtatarisch, und Jamala hat den Song mitgeschrieben. „1944“ ist der erste Siegersong mit krimtatarischem Text. Vor dem Finale gingen bei der EBU Beschwerden ein, vor allem aus Russland, weil politische Botschaften beim ESC verboten sind. Die EBU sah keinen Regelverstoß.

Unsere Einschätzung: „1944“ war kein klassischer ESC-Hit, sondern ein Song mit einer sehr persönlichen Geschichte und einer intensiven Performance. Dass er bei Jury und Publikum jeweils Zweiter wurde und damit insgesamt vorne lag, zeigt, wie wichtig ein Beitrag ist, auf den sich beide Seiten einigen können. Mehr dazu auf Wie gewinnt man den ESC? und auf unserer Seite zu den ESC-Regeln.

Lächelnde Jamala im bestickten Kleid hält die gläserne Mikrofon-Trophäe, Sieger-Pressekonferenz 2016
Jamala mit der Siegertrophäe bei der Pressekonferenz nach ihrem Sieg beim ESC 2016Foto: Albin Olsson, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
YouTube · Eurovision Song ContestJamala – „1944“ (ESC 2016)

Beim Laden werden Daten an YouTube übertragen. Direkt auf YouTube ansehen

Der Siegerauftritt beim ESC 2016, offizielles Video der EBU.

Deutschland beim ESC 2016

Zunächst hatte der NDR Xavier Naidoo nominiert, nach heftiger Kritik aber schnell wieder zurückgezogen. Stattdessen entschied das Publikum in „Unser Lied für Stockholm“: Es gewann Jamie-Lee, die Ende 2015 „The Voice of Germany“ gewonnen hatte. Mit „Ghost“ bekam sie 11 Punkte, 1 von den Jurys und 10 aus dem Televoting, und landete wie Deutschland im Vorjahr auf dem letzten Platz. Mehr dazu auf Deutschland beim ESC 2016.

ESC 2016 bei uns im Podcast

Dieser Abschnitt ist unsere Meinung als Podcast „Germany 12 Points!“. Ein Act aus dem Jahrgang 2016 war später Thema bei uns: Gabriela Gunčíková, die Tschechien in Stockholm zum ersten Mal ins Finale brachte. In Folge 25 hat Katja sie vorgestellt:

„[…] Und sie stand 2016 in Stockholm beim ESC für Tschechien auf der Bühne […]“

Katja in Folge 25, 14:13

Der Song war „I Stand“, und Alex’ Urteil kam prompt:

„Für Tschechien war das richtig krass. Richtig krass. Der absolute Kracher.“

Alexander in Folge 25, 14:38

Vorher und nachher

Davor: Måns Zelmerlöw gewinnt für Schweden beim ESC 2015 in Wien. Danach: Die Ukraine richtet aus, beim ESC 2017 in Kiew gewinnt Portugal zum ersten Mal. Alle Siegerinnen und Sieger seit 1956 stehen in unserer ESC-Gewinnerliste.

Häufige Fragen

Wer hat den ESC 2016 gewonnen?
Jamala für die Ukraine mit „1944“. Sie holte 534 Punkte, 23 mehr als Dami Im aus Australien. Weder die Jury- noch die Zuschauerwertung hatte sie gewonnen, in beiden lag sie auf Platz 2.
Worum geht es im Siegersong „1944“?
Um die Deportation der Krimtataren im Jahr 1944. Die Strophen sind auf Englisch, der Refrain auf Krimtatarisch. „1944“ war der erste Siegersong mit krimtatarischem Text.
Welchen Platz belegte Deutschland beim ESC 2016?
Den letzten, Platz 26 von 26. Jamie-Lee bekam mit „Ghost“ 11 Punkte: 1 von den Jurys und 10 aus dem Televoting.

Quellen

  1. en.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest_2016
  2. de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest_2016
  3. en.wikipedia.org/wiki/Germany_in_the_Eurovision_Song_Contest_2016
  4. de.wikipedia.org/wiki/Unser_Lied_f%C3%BCr_Stockholm

Jetzt reinhören

Der ESC-Podcast, der will, dass Deutschland wieder gewinnt.

Alle Folgen mit Artikel & Transkript