Wie viel zahlt Deutschland für den ESC? Für 2026 lag die Teilnahmegebühr an die EBU bei 507.389 Euro. Diese Zahl hat der SWR auf Anfrage genannt, öffentlich spricht der Sender nur vom „mittleren sechsstelligen Bereich“. Dazu kommen Vorentscheid, Delegation und Bühnenshow. Diese Kosten veröffentlicht die ARD nicht, Branchenkenner schätzen die Gesamtsumme auf deutlich unter eine Million Euro. Umgerechnet auf den Rundfunkbeitrag ist die Startgebühr gut ein Cent pro Wohnung und Jahr.
Wie viel zahlt Deutschland für den ESC?
Den größten festen Posten bildet die Teilnahmegebühr, die jeder teilnehmende Sender an die Europäische Rundfunkunion (EBU) zahlt. Die EBU selbst veröffentlicht die Beträge nicht. Bekannt sind sie nur, weil ARD-Sender sie auf Anfrage nennen oder auf eurovision.de auflisten. Seit 2026 ist der SWR für den ESC zuständig, vorher war es fast 30 Jahre lang der NDR.
| Jahr | Gebühr | Quellen |
|---|---|---|
| 2015 | 363.500 € | eurovision.de, de.wikipedia.org |
| 2017 | 380.000 € | eurovision.de, de.wikipedia.org |
| 2018 | 400.800 € | eurovision.de, de.wikipedia.org |
| 2019 | 405.100 € | eurovision.de, de.wikipedia.org |
| 2021 | 396.452 € | eurovision.de, de.wikipedia.org |
| 2022 | 407.000 € (nur eurovision.de) | eurovision.de |
| 2023 | 473.000 € | eurovision.de, de.wikipedia.org |
| 2024 | 454.905 € | eurovision.de, joyn.de |
| 2025 | 451.216 € (NDR laut Presse: 472.277 €) | eurovision.de, joyn.de |
| 2026 | 507.389 € (SWR auf Anfrage) | esc-kompakt.de |
Zwei Punkte sind unsicher:
- 2025: eurovision.de nennt 451.216 Euro. Die Berliner Morgenpost hat unter Berufung auf den NDR 472.277 Euro gemeldet. Warum die Zahlen auseinandergehen, ist nicht geklärt.
- 2026: Die 507.389 Euro stammen aus einer Auskunft des SWR an das Fanportal ESC kompakt (Juni 2026). Die Saarbrücker Zeitung kam auf rund 620.000 Euro, ohne klarzustellen, ob nur die Gebühr gemeint ist. Realistisch liegt die Gebühr für 2026 also zwischen gut 0,5 und rund 0,62 Millionen Euro.
Seit 2015 ist die Gebühr um knapp 40 Prozent gestiegen, von 2025 auf 2026 je nach Ausgangswert um 7 bis 12 Prozent. Für 2027 gibt es noch keine Zahl.
Wie wird die Gebühr berechnet?
Laut eurovision.de bekommt jedes EBU-Vollmitglied einen Punktewert. Der richtet sich nach der Reichweite und danach, wie stark der Sender Eurovisionsangebote nutzt, also auch Nachrichtenbilder und Sportübertragungen. Nach diesem Schlüssel werden die Kosten der Gemeinschaftsproduktion verteilt. Große Sender wie die ARD zahlen deshalb deutlich mehr als kleine: Montenegro zahlte 2012 rund 23.000 Euro, die Schweiz 2016 rund 63.500 Euro.
Was kostet die deutsche ESC-Teilnahme insgesamt?
Die Gebühr ist nur ein Teil. Die übrigen Posten sind öffentlich nicht beziffert:
- Vorentscheid: 2026 hat der SWR die Show „Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale“ am 28. Februar in Berlin-Adlershof produziert. 2025 lief der Vorentscheid als „Chefsache ESC“ zusammen mit RTL und Stefan Raab. Für beide Shows sind keine Kosten veröffentlicht.
- Delegation und Auftritt: Reisen, Unterkunft, Choreografie, Tänzer, Outfits und Bühnenelemente. Die Gebühr deckt Reise und Unterkunft ausdrücklich nicht ab.
- Übertragung: Kommentar, Vor- und Nachberichte im Ersten.
Wie viel das alles zusammen kostet, sagt die ARD nicht. Laut einer Einschätzung von Branchenkennern (t-online, zitiert vom Musikexpress) liegt die Summe „deutlich unter einer Million“ Euro. Das ist eine Schätzung, keine offizielle Zahl. Klar ist dagegen, dass der SWR an anderer Stelle spart: „Verstehen Sie Spaß?“ hat seit der Übernahme nur noch zwei statt vier Liveshows im Jahr. SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler sagte dazu dem Branchendienst DWDL: „Wir stemmen zwar den Löwenanteil, aber wir haben Unterstützung“, gemeint sind BR, HR und die übrige ARD.
ESC Big Five: Wer gehört dazu und warum?
Die „Big Five“ sind Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Ihre Sender zahlen die höchsten Beiträge an die EBU und sind deshalb jedes Jahr direkt im Finale. Das Regelwerk garantiert ihnen und dem Gastgeber sechs feste Finalplätze. Wie die Abstimmung abläuft, erklären wir auf der Seite ESC-Regeln und Punktevergabe.
- 1996: Deutschland scheidet in einer Audio-Vorauswahl aus und droht damit, sich nicht mehr an der Finanzierung zu beteiligen.
- 1999/2000: Die EBU beschließt 1999, Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien vom Abstieg auszunehmen. Ab 2000 sind die „Big Four“ immer dabei.
- 2004: Mit dem ersten Halbfinale stehen die Big Four automatisch im Finale.
- 2011: Italien kehrt nach 13 Jahren Pause zurück und wird fünftes Mitglied. Seitdem heißt die Gruppe „Big Five“.
- 2026: Spanien boykottiert wegen der Teilnahme Israels und überträgt den ESC nicht einmal. Erstmals seit 2011 gibt es nur vier große Länder.
- 2027: Ob Spanien zurückkommt, ist offen (Stand: 13. Oktober 2026). Der RTVE-Präsident will vorschlagen, weiter fernzubleiben. Laut dem neuen Regelwerk kann die EBU die Zahl der garantierten Finalplätze „je nach Umständen“ anpassen.
Sind die Big Five also die Zahlmeister des ESC? Eher nicht. eurovision.de hat nachgerechnet, dass der deutsche Anteil an den rund 11 Millionen Euro Gesamtkosten des ESC 2022 in Turin nur 3,7 Prozent betrug. Den Großteil tragen Gastgebersender, Gastgeberstadt und Sponsoren. Der direkte Finalplatz ist ein Vorteil, aber kein gekaufter Sieg, wie die Platzierungen Deutschlands zeigen.
Was zahlt ein Gastgeberland?
Richtig teuer wird der ESC für den Gastgeber. Laut eurovision.de bekommt der austragende Sender von der EBU einen Sockelbetrag von rund 6 Millionen Euro, der aus den Gebühren aller Teilnehmer stammt. Zusätzlich muss er 10 bis 20 Millionen Euro selbst aufbringen. Dazu kommen Gelder von Stadt und Staat.
| Jahr | Ort | Budget | Wer zahlt? |
|---|---|---|---|
| 2023 | Liverpool | geschätzt ca. 24,7 Mio. £ (ca. 28,3 Mio. €), nicht offiziell | BBC 8–17 Mio. £, britische Regierung 10 Mio. £, Stadt und Region je 2 Mio. £ |
| 2024 | Malmö | 277 Mio. SEK (ca. 25,2 Mio. €) | davon SVT ca. 100 Mio. SEK |
| 2025 | Basel | 61 Mio. CHF (ca. 65,2 Mio. €) | Kanton Basel-Stadt 35 Mio., SRG SSR 20 Mio., EBU 6 Mio. CHF |
| 2026 | Wien | ca. 36 Mio. € (Studie EcoAustria) | Stadt Wien 22,6 Mio. €, EBU ca. 5 Mio. €; ORF-Schätzung vorab 16 Mio. € |
| 2027 | Burgas | noch nicht veröffentlicht | bulgarische Regierung plant rund 20 Mio. € ein |
Die Zahlen sind schwer vergleichbar: Mal ist nur der Senderanteil gemeint, mal das Gesamtpaket mit Sicherheit, Fan-Village und Stadtprogramm. Dem stehen Einnahmen durch Tourismus gegenüber. Malmö hat für 2024 rund 445 Millionen Kronen Umsatzeffekt bei knapp 160.000 Besuchern gemeldet. Die Startgebühr Deutschlands entspricht übrigens rund 1,4 Prozent des Wiener Budgets. Wo der ESC 2027 stattfindet und was bisher bekannt ist, steht auf unserer Seite zum ESC 2027 in Burgas.
ESC-Kosten und Rundfunkbeitrag
Bezahlt wird die Teilnahme aus dem Rundfunkbeitrag. Der liegt bei 18,36 Euro im Monat beziehungsweise 220,32 Euro im Jahr pro Wohnung (Stand: Oktober 2026). Über eine Erhöhung entscheidet noch das Bundesverfassungsgericht. 2025 kamen über den Beitrag 8,72 Milliarden Euro herein, angemeldet waren gut 40,4 Millionen Wohnungen. Damit ergibt sich für die Startgebühr 2026:
- rund 1,25 Cent pro Wohnung und Jahr,
- rund 0,006 Prozent der jährlichen Beitragseinnahmen,
- so viel wie die Jahresbeiträge von rund 2.300 Haushalten.
Dafür bekommt die ARD laut eurovision.de rund acht Stunden Fernsehen: zwei Halbfinals und das Finale. Zum Vergleich nennt der Musikexpress rund 1,9 Millionen Euro für einen einzigen 90-minütigen „Tatort“. Nicht eingerechnet sind in unserer Rechnung Vorentscheid und Delegation, weil dafür keine Zahlen vorliegen.
Unsere Einschätzung
Die Debatte über „Gebührenverschwendung“ kommt nach jedem schlechten Ergebnis wieder, 2026 nach Platz 23 von 25 besonders laut. Rechnerisch hat jeder der 12 deutschen Punkte gut 42.000 Euro Startgebühr gekostet. Wir halten die Gebühr trotzdem nicht für das Problem. Das Geld ist im Vergleich zu anderen Abendshows klein. Was fehlt, ist die Investition in den Beitrag selbst. In Folge 17 „Die große ESC-Verschwörung“ haben wir das so beschrieben:
„Und wir merken ja auch in Deutschland in der Vergangenheit hat die Musikindustrie da auch nicht viel investiert. Also keine große Show herumgebaut. Im Gegensatz zu den anderen Ländern.“
Folge 17, 06:57–07:04
Andere Länder bauen ihre Acts monatelang auf, mit Label, Promotion-Tour und Bühnenkonzept. Warum Deutschland da nicht mithält, haben wir in „ESC: Deutschland kann international nicht mithalten“ (S2 E07) und „Musikexpertise reicht für den ESC nicht aus“ (S2 E08) diskutiert. Unser Fazit: Wer den ESC wieder gewinnen will, sollte nicht über die halbe Million Startgebühr streiten. Wichtiger ist, was ab dem Vorentscheid in den Act gesteckt wird. Wie sich Deutschland über die Jahre geschlagen hat, liest du auf Deutschland beim ESC.