Die ESC-Punktevergabe läuft so: Jedes Teilnehmerland vergibt zwei Punktesätze, einen von einer Fachjury und einen vom Publikum, jeweils 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 Punkt für die zehn Lieblingssongs. Jury und Publikum zählen damit ungefähr gleich viel, für das eigene Land darf niemand stimmen. Dazu kommt seit 2023 ein Online-Voting aus dem „Rest der Welt“, das wie ein zusätzliches Land zählt. So sehen die ESC-Regeln für 2026 aus, und das ändert sich 2027.
Wie funktioniert der ESC? Halbfinals und Finale
Der Eurovision Song Contest besteht aus drei Live-Shows in einer Woche im Mai: zwei Halbfinals am Dienstag und Donnerstag, das Finale am Samstag. Ausrichter ist der Sender des Vorjahressiegers, organisiert wird alles von der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Wer nicht automatisch gesetzt ist, muss durch eines der beiden Halbfinals. Aus jedem Halbfinale kommen zehn Länder weiter.
Automatisch im Finale stehen der Gastgeber und die „Big Five“: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Weil Spanien 2026 wegen der Teilnahme Israels boykottiert hat, waren es in Wien nur vier. Die gesetzten Länder werden trotzdem einem Halbfinale zugelost. Dort stimmen sie ab und treten seit 2024 außer Konkurrenz live auf. Deutschland hat 2026 im ersten Halbfinale mit abgestimmt.
| Show | Datum | Wer tritt an? | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1. Halbfinale | Di., 12. Mai 2026 | 15 Länder, dazu Deutschland und Italien außer Konkurrenz | 10 Länder im Finale |
| 2. Halbfinale | Do., 14. Mai 2026 | 15 Länder, dazu Österreich, Frankreich und Großbritannien außer Konkurrenz | 10 Länder im Finale |
| Finale | Sa., 16. Mai 2026 | 20 Qualifikanten + Gastgeber Österreich + Big Four | 25 Länder, Sieg für Bulgarien |
Gewonnen hat 2026 Bulgarien mit Dara und „Bangaranga“, und zwar in der Jury- und in der Publikumswertung. Das hatte zuletzt Portugal 2017 geschafft. Deshalb findet der ESC 2027 in Burgas statt.
ESC-Punktevergabe: So zählen Jury und Publikum
Das System „1 bis 8, 10 und 12 Punkte“ gibt es seit 1975. Seit 2016 vergibt jedes Land zwei getrennte Sätze:
- Jurypunkte: Die sieben Juroren eines Landes ranken alle Songs, daraus entsteht eine nationale Rangliste. Platz 1 bekommt 12 Punkte, Platz 2 bekommt 10, Platz 3 bekommt 8 und so weiter bis 1 Punkt für Platz 10.
- Publikumspunkte: Aus Anrufen, SMS und Online-Stimmen eines Landes entsteht eine zweite Top 10 mit derselben Punkteskala.
- Rest der Welt: Zuschauer aus Ländern, die nicht mitmachen, stimmen online ab. Ihre Stimmen ergeben einen weiteren Publikumssatz.
Pro Satz werden 58 Punkte verteilt. Im Finale 2026 haben 35 Länder je zwei Sätze vergeben, plus der Rest der Welt: 71 Sätze und 4.118 Punkte insgesamt. Weil kein Land für sich selbst stimmt, konnte ein Song höchstens 828 Punkte holen. Die EBU spricht von einer Gewichtung von „ungefähr 50/50“ zwischen Jury und Publikum. Das Regelwerk selbst nennt keinen Prozentsatz.
Wie werden die Punkte im Finale verkündet?
Zuerst schalten die Moderatoren nacheinander zu Sprecherinnen und Sprechern aller Länder. Die verkünden live nur die 12 Jurypunkte, die übrigen werden eingeblendet. Danach kommen die Publikumspunkte, pro Song als eine Summe. Seit 2019 beginnt das mit dem Land, das von den Jurys am wenigsten bekommen hat. Deshalb bleibt es bis zum Schluss spannend. In den Halbfinals werden nur die zehn Qualifikanten in zufälliger Reihenfolge genannt, die Detailergebnisse veröffentlicht die EBU erst nach dem Finale.
Die ESC-Jury: Wer sitzt drin?
Für 2026 hat die EBU die Jurys deutlich umgebaut. Die Ankündigung kam am 21. November 2025, nach der Debatte um das Publikumsvoting 2025:
- Sieben statt fünf Mitglieder pro Land, gemischt nach Alter, Hintergrund und Geschlecht.
- Mindestens zwei Juroren sind zwischen 18 und 25 Jahre alt.
- Neben Musikern dürfen jetzt auch Musikjournalisten und Kritiker, Musiklehrer, Choreografen, Bühnenregisseure und andere Branchenprofis in die Jury.
- Die Jurys bewerten wieder auch die Halbfinals. Von 2023 bis 2025 hat dort allein das Publikum entschieden.
- Alle Juroren unterschreiben, dass sie unabhängig abstimmen. Absprachen und öffentliche Favoritenlisten vor dem Contest sind verboten.
Die Jury schaut die zweite Generalprobe, die sogenannte Jury-Show. Jedes Mitglied bringt alle Songs für sich allein in eine Rangfolge. Gleichstände sind nicht erlaubt, das eigene Land darf nicht bewertet werden. Kriterien laut EBU: Komposition und Originalität, Bühnenperformance, stimmliche Leistung und Gesamteindruck. Wie jedes einzelne Jurymitglied gewertet hat, wird nach der Show veröffentlicht.
ESC abstimmen: So votest du aus Deutschland
Abstimmen kannst du per Anruf, per SMS oder online über esc.vote. Welche Wege es gibt, entscheidet jeder Sender für sein Land. Seit 2026 sind höchstens zehn Stimmen pro Zahlungsweg erlaubt, vorher waren es 20. Im Finale öffnet das Voting kurz vor dem ersten Song und schließt rund 40 Minuten nach dem letzten. In einem Halbfinale darfst du nur abstimmen, wenn dein Land dort zugelost ist.
| Weg | So geht's | Kosten pro Stimme |
|---|---|---|
| Anruf | 01371 3636 + zweistellige Startnummer | 14 Cent (Festnetz und Mobilfunk) |
| SMS | Startnummer an 99599 | 20 Cent |
| Online | esc.vote | 20 Cent |
Wichtig: Für Deutschland kannst du aus Deutschland nicht stimmen. Solche Stimmen werden nicht gezählt, können dich aber trotzdem Geld kosten. Nummern und Preise werden jedes Jahr in der Sendung eingeblendet und können sich ändern. Die offizielle ESC-App ist kein Abstimmungsweg. Mit ihrem „My Scoreboard“ kannst du dir aber deine Favoriten merken und teilen.
ESC: Wie viele Teilnehmer gibt es?
2026 haben 35 Länder teilgenommen, zwei weniger als 2025 und so wenige wie seit 2003 nicht mehr. Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien haben wegen der Teilnahme Israels boykottiert, Bulgarien, Rumänien und Moldau sind zurückgekommen. Im Halbfinale waren 30 Länder, im Finale 25.
Für 2027 gibt es noch keine offizielle Teilnehmerliste der EBU (Stand: 13. Oktober 2026). Nach Medienzählungen haben bisher rund 30 bis 31 Sender öffentlich zugesagt, darunter Deutschland, Italien und Großbritannien. Kanada gibt sein Debüt, Tschechien steigt aus Kostengründen aus. Spaniens Rückkehr ist offen: RTVE-Präsident José Pablo López will dem Verwaltungsrat vorschlagen, auch 2027 fernzubleiben. Die Obergrenzen stehen im Regelwerk: höchstens 26 Länder im Finale und 38 in den Halbfinals. Aktuelle Zu- und Absagen sammeln wir auf unserer Seite zum ESC 2027.
Big Five: Warum Deutschland nie ins Halbfinale muss
Ende der 1990er-Jahre hat die EBU vier Ländern einen festen Startplatz garantiert: Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien zahlen als größte EBU-Mitglieder am meisten. Beschlossen wurde das 1999, es gilt seit 2000. Den Anstoß gab 1996: Damals schied Deutschland in einer Vorauswahl aus und drohte, sich nicht mehr an der Finanzierung zu beteiligen. 2011 kam Italien zurück, seitdem heißt die Gruppe „Big Five“. Seit es Halbfinals gibt (2004), sind diese Länder direkt im Finale. Was Deutschland dafür bezahlt, erklären wir unter ESC-Kosten: Wie viel zahlt Deutschland?.
ESC-Regeln für die Songs
- Länge: höchstens drei Minuten.
- Bühne: höchstens sechs Personen, keine lebenden Tiere.
- Live-Gesang: Der Leadgesang muss live sein, Lip-Sync ist verboten. Ein Playback mit Instrumenten und Backing Vocals ist erlaubt.
- Neuheit: Der Song darf nicht vor dem 1. September des Vorjahres veröffentlicht oder öffentlich aufgeführt worden sein. Für 2027 ist also der 1. September 2026 der Stichtag.
- Sprache: frei wählbar.
- Alter: 2026 mindestens 16 Jahre am Tag der ersten Probe, ab 2027 mindestens 18.
Wie Deutschland seinen Beitrag aussucht, steht auf unserer Seite zum ESC-Vorentscheid.
Was sich 2027 ändert und was nur berichtet wird
Offiziell (EBU-Mitteilung vom 12. August 2026):
- Mindestalter 18 statt 16 Jahre.
- Strengere Regeln für den Live-Gesang: Die Hauptmelodie muss allein von der Live-Stimme kommen. Das Playback darf sie weder ersetzen noch übermäßig stützen, Tonhöhenkorrektur auf dem Live-Gesang ist laut Kurzfassung des Regelwerks verboten.
- Ist der Siegersender wegen eines bewaffneten Konflikts oder einer unsicheren Lage nicht in der Lage auszurichten, bestimmt die EBU einen anderen Gastgeber.
- Die Zahl der garantierten Finalplätze (Big Five plus Gastgeber) „kann je nach Umständen angepasst werden“. Das betrifft etwa den Fall, dass Spanien wieder fehlt.
Noch nicht bestätigt: Die schwedische Zeitung Aftonbladet berichtete im August 2026 unter Berufung auf ein EBU-Schreiben, dass ein reines Online-Voting und eine Pflicht, für mehr als einen Song zu stimmen, geprüft werden. Beschlossen ist davon bisher nichts. Die vorläufige Regel-Kurzfassung für 2027 sieht weiter siebenköpfige Jurys vor.
Unsere Einschätzung
Für uns ist das Wichtigste an den ESC-Regeln die simple Tatsache, dass Deutschland nur aus dem Ausland Punkte bekommen kann. In Folge 14 „SO gewinnt DEUTSCHLAND den ESC!“ haben wir das so gesagt:
„Wir haben zwar gesagt vorhin 50 Prozent, da haben wir uns auf die Jury fokussiert, aber eben die anderen 50 Prozent haben wir als Zuschauer ja in der Hand.“
Folge 14, 16:25
„Weil wir können ja gar nicht für uns abstimmen.“
Folge 14, 19:42
2026 hat sich das brutal gezeigt: Sarah Engels kam mit „Fire“ auf Platz 23 von 25. Ihre 12 Punkte kamen komplett von den Jurys, aus dem europäischen Publikum gab es null. Ein deutscher Beitrag muss also Menschen in Lissabon, Riga und Sofia überzeugen, nicht nur das Publikum zu Hause. Warum das bisher so selten klappt, besprechen wir in „ESC: Deutschland kann international nicht mithalten“ (S2 E07) und „Musikexpertise reicht für den ESC nicht aus“ (S2 E08).
Bei den Jurys sind wir gespalten. Die siebenköpfige Jury mit jüngeren Mitgliedern finden wir einen Fortschritt. In Folge 28 haben wir aber auch festgehalten, wo das Problem bleibt:
„[…] die Jury wurde ja eingeführt wegen dieser Punkteschieberei. […] Aber letztendlich passiert das innerhalb der Jury ja auch.“
Folge 28, 14:43–14:51
Die Ergebnisse Deutschlands seit 1956 findest du in unserer Übersicht ESC-Platzierungen Deutschlands, alles Weitere rund um die deutsche Teilnahme auf Deutschland beim ESC.