
Wie stark bestimmt die Musikindustrie, mit welcher Haltung Deutschland zum ESC fährt? In Folge 25 lösen wir unser Versprechen aus der letzten Folge ein und sprechen über das Geschäftsmodell hinter dem deutschen ESC-Beitrag, am Beispiel von Abor & Tynna und „Baller“. Unsere These: Für die Branche ist der Eurovision Song Contest oft eine Promo-Station im Marketingplan, nicht der größte Musikwettbewerb der Welt. Außerdem erzählen wir von unserem Besuch in den Dierks Studios bei Köln, wo wir eine ehemalige ESC-Teilnehmerin getroffen haben.
Die wichtigsten Aussagen
Künstler sind das Produkt
Uns wird in Kommentaren oft vorgeworfen, wir hätten keine Ahnung. Katja arbeitet seit rund 20 Jahren im Medien- und Musikbusiness, wir beide haben Marketing studiert und zusammen in einem Musik-Start-up gearbeitet. Daraus leitet Katja einen nüchternen Blick ab:
„Und die Musikindustrie ist tatsächlich ein Geschäftsmodell.“
Die Produkte sind dabei nicht Butter oder Milch, sondern die Künstlerinnen und Künstler.
Ein Insider-Bericht bestätigt unsere Kritik
Wir spielen einen Ausschnitt aus dem Podcast von Hazel Brugger ein. Darin erzählt ein YouTuber, der früher beim NDR mitgearbeitet hat, von Gesprächen mit Insidern: Eine deutsche Band habe nur zwei Tage für ihren Auftritt geprobt, während Länder wie Zypern oder Griechenland monatelang an Choreo, Licht und Kamerawechseln arbeiten. Alex vermutet, dass Lord of the Lost gemeint waren, die 2023 für Deutschland antraten. Katja fühlt sich bestätigt:
„Siehst du, Alex, es ist genau das. Das ist das, wovon wir in allen Podcast-Folgen reden und worüber wir uns immer so aufregen.“
Als Gegenbeispiel nennen wir Malta: ein kleines Land mit einer der aufwendigsten Shows des Jahrgangs 2025.
Ein neuer Song kurz vor dem Finale
Was uns am meisten stört: Laut Alex haben Abor & Tynna einen Tag vor dem ESC-Finale die neue Single „Rotkäppchen“ veröffentlicht. Katja empfindet das als respektlos gegenüber den Fans und der Show:
„Wo ich mir dachte, was ist jetzt hier wichtiger? Ein Album oder der größte Musikwettbewerb der Welt?“
Alex erklärt, warum ein Release nicht nebenbei läuft: Promotion, Marketing und Nachproduktion binden das Team und vor allem Abor als Produzenten.
„Das heißt, sie sind nicht voll bei der Sache.“
Gerade weil Tynna krankheitsbedingt Probenzeit verloren hatte, hätte das Team aus Alex‘ Sicht voll auf den ESC setzen müssen.
Der ESC als Marketingmaßnahme
Alex hat das Gefühl, der ESC sei für das Duo und die Branche dahinter nur eine kleine Maßnahme im Marketingplan. Katja geht weiter:
„Das ist nicht nur dein Gefühl. Sondern genauso funktioniert das Musikbusiness.“
Das Geld wird mit Konzerten verdient, Streams und TV-Auftritte sind Promotion dafür. Den kommerziellen Erfolg gönnen wir trotzdem. Alex sieht allerdings einen Reputationsschaden für Deutschland, wenn international der Eindruck entsteht, es gehe nur ums Geld.
Käärijä zeigt, dass beides geht
Käärijä hat 2023 einen großen ESC-Auftritt mit durchgeplanter Social-Media-Strategie hingelegt und ist bis heute international gebucht, zuletzt laut Alex auf der Expo in Osaka. Katja zieht daraus die Lehre:
„Und umso wichtiger ist es, dass man eben langfristig denkt und den Künstler langfristig auch als Marke aufbaut und nicht nur den kurzen kommerziellen Erfolg mitnimmt.“
Unsere Einordnung
Was wir in dieser Folge sagen, ist unsere Einschätzung aus Marketing-Sicht, kein Vorwurf an einzelne Personen. Die Ergebnisse sind dagegen Fakten: Lord of the Lost wurden 2023 mit „Blood & Glitter“ Letzte (Platz 26), Abor & Tynna kamen 2025 mit „Baller“ auf Platz 15. Alle Platzierungen findest du in der Übersicht Deutschland beim ESC, unsere Analyse der Ursachen im Artikel Warum verliert Deutschland beim ESC? und alles zum Duo auf der Seite zu Abor & Tynna.
Zum Schluss gibt es einen ersten Ausschnitt aus unserem Gespräch mit Gabriela Gunčíková, die 2016 in Stockholm für Tschechien mit „I Stand“ auf der Bühne stand und Tschechien damit zum ersten Mal ins ESC-Finale brachte. Ihr Rezept für den ESC: etwas Ungewöhnliches, leicht Schräges, das hängen bleibt, plus Performance und Showmanship. Das ganze Gespräch und die Einschätzung eines Vocal-Coaches zu „Baller“ hörst du in Folge 26.
Die Folge auf YouTube
Clips zur Folge auf TikTok
Transkript der Folge
Automatisch erstellt und redaktionell geprüft; kleine Abweichungen zum gesprochenen Wort sind möglich. · Transkript herunterladen (.vtt)
Ganzes Transkript lesen
Katja: Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint und Alex und Katja sind wieder da mit dem Podcast Germany 12 Points, der ESC-Podcast. Habe ich das jetzt richtig gesagt?
Alexander: Ja. Und noch ganz wichtig, der ESC-Podcast für Lover und Hater. Ihr seid alle herzlich willkommen bei diesem Podcast.
Katja: Ganz wichtig, dieser Podcast, den könnt ihr immer mal schnell zwischendurch hören, denn er geht maximal 20 Minuten pro Folge. Wir hoffen, ihr haltet durch, ihr bleibt mit dabei. Denn heute wird es richtig, richtig spannend. Ihr trefft mit uns einen Star, der wirklich beim ESC auf der Bühne gestanden ist. Ja, den haben wir in den Dierks Studios getroffen. Wir waren tatsächlich nämlich gestern dort in den weltberühmten Dierks Studios, wo schon Michael Jackson, Tynna Turner, die Scorpions und, und, und, wie sie alle heißen, produziert wurden.
In der Nähe von Köln sind die. Und wir haben tatsächlich einen ESC-Star getroffen. Ihr hört sie noch, ihr hört sie noch, ihr hört sie noch. Freut euch auf diese Folge. Aber erstmal möchten wir uns ja versprechen aus der letzten Folge einlösen und auf das Thema eingehen, wie sehr die deutsche Musikindustrie den Auftritt der deutschen Künstler bestimmt und dafür sorgt, dass wir eben nicht den ersten Platz belegen. Das denken wir uns nicht nur aus, das wird uns ja in den Kommentaren so vorgeworfen.
Bei TikTok, bei Shots. Bei TikTok. Genau. Aber wir können es tatsächlich belegen. In verschiedenen Folgen sind wir ja bereits auf das Thema eingegangen und wir denken uns das nicht nur aus. Wir haben tatsächlich auch die Expertise dahinter. Uns wird ja immer vorgeworfen, ja wer seid ihr denn, ne, irgendwie.
Alexander: Ihr müsst euch mal überleben. Katja arbeitet seit 20 Jahren im Medien- und Musikbusiness und hat auch immer wieder mit Menschen aus dem Musikbusiness zu tun. Wir waren ja gerade auch erst in den Dierks Studios, da hatten wir auch mit Leuten aus dem Musikbusiness zu tun, würde ich sagen. Passiert, ne, wenn man da ist. Aber du hast ja wirklich eine lange Vergangenheit auch, ne, mit dem Radio und mit deiner Tätigkeit auch bei BMG Areola.
Katja: Gut, da war ich ja nur ganz kurz, aber ich habe ja meine erste Ausbildung schon in einem der größten Medienkonzerne der Welt gemacht. Und da lernst du natürlich auch einiges kennen. Aktuell habe ich wieder mit einem großen deutschen Konzertveranstalter zu tun und so geht es halt ständig weiter. Ja, ja. Und Alex ist genau wie ich studierter Marketingfachmann. Ja. Also das heißt, wir haben auch diesbezüglich die Expertise dahinter, wie funktionieren die Dinge, wie funktionieren Geschäftsmodelle. Und die Musikindustrie ist tatsächlich ein Geschäftsmodell. Und die Produkte sind da eben nicht wie die Butter oder die Milch von der Molkerei, sondern die Produkte sind die Künstler. Das Ziel dieses Geschäftsmodells ist es natürlich, Geld zu machen mit den Künstlern. Und das Geld sollt ihr ausgeben.
Alexander: Und bei der Musik geht es ja auch um die Technik. Genau. Und das ist auch so ein bisschen mein Schwerpunkt, den technischen Teil zu analysieren. Deswegen gehe ich das Ganze immer ein bisschen von der technischen Perspektive an. Aber apropos Technik. Wir haben ja auch zusammen, Katja, in einem Musikstartup gearbeitet. Ein bisschen Erfahrung haben wir also. Nur ein klein wenig. Deswegen ein kleines bisschen, was wir in die Waagschale schmeißen können.
Katja: Genau. Wir empfehlen euch wirklich mal in vergangene Folgen reinzuhören. Da bringen wir das Thema immer wieder mit ein, wie sehr auch die Musikindustrie dahinter hängt. Genau. Und wir analysieren das immer wieder mit unserer Expertise, die wir im Medienbereich und im Marketing auf jeden Fall haben. Und ein Experte aus der Medienwelt, den ihr auch alle aus dem Internet kennt, das ist Torge. Der hat ja auch einen riesengroßen YouTube-Kanal. Wie viele Abonnenten hat der, Alex?
Alexander: Über eine Million Abonnenten hat er. Nur in Deutschland. Das hat er sich wirklich lange Zeit aufgebaut. Respekt. Und das hat er auch alles alleine gemacht. Also der hat kein großes Team dahinter.
Katja: Auf jeden Fall hat der auch mal beim NDR gearbeitet früher. Und er war jetzt vor kurzem zu Gast im Podcast von Hesel Brugger. Und was er da gesagt hat zum Thema ESC, das hört ihr jetzt. Und es tut mir leid, wenn ihr gedacht habt, dass die deutschen Auftritte immer gut performen, dann wird euch jetzt wahrscheinlich die Kinnlade runterklappen. Denn er sagt genau das Gleiche, was wir in den vergangenen Podcast-Folgen auch gesagt haben.
Einspieler: Ich hatte mal ein Video gemacht, wo ich erzählt habe, warum wir immer so viel verkaufen. Ja. Und habe das wirklich so richtig auseinandergenommen. Weil ich mich das so aufregt als Fan. Und dann konnte ich das aber nicht online stellen, weil Deutschland überraschenderweise letztes Jahr, ich glaube, den zwölften Platz gemacht hat. Und da habe ich auch mit vielen vom NDR, so Insidermäßig telefoniert, ohne den Namen zu nennen, die mir mal so ein paar Sachen erzählt haben, wo ich wirklich gedacht habe, ich falle vom Glauben ab.
Da war eine Band, die für Deutschland angetreten ist, die haben zwei Tage geprobt für ihren Auftritt. Zwei Tage. Und es gibt Länder wie Zypern, Griechenland, die proben Monate. Ja, die proben zehn Monate. Monate. Und die kommen mit einer komplett kompletten Ausnahme. Kompletten Choreo dann zum ersten Probentag. Die können dem Regisseur genau sagen, jetzt Kamerawechsel, jetzt dieses Licht, jetzt dies, jetzt das. Und die Deutschen kommen da teilweise, ich will es nicht verallgemeinern, aber das, was ich gehört habe und auch selber, ich habe ja selber mal beim NDR mitgearbeitet, was du dann erlebst, dann kommen die dahin, die haben noch gar keine Visions hinten für die LED-Wände.
Das wird dann vor Ort ausgesucht, wo du so denkst, also Leute, wenn ihr eure Hausaufgaben nicht macht für die größte Musikshow der Welt, dann dürft ihr euch auch nicht wundern, dass ihr da immer so verkippt.
Katja: Siehst du, Alex, es ist genau das. Das ist das, wovon wir in allen Podcast-Folgen reden und worüber wir uns immer so aufregen.
Alexander: Und ich weiß auch, welche Band er meinte. Und zwar meinte er Lord of the Lost. Die haben vor zwei Jahren für Deutschland am ESC teilgenommen, nämlich vor Isaac. Und die sind die ganze Zeit auf Tour gewesen und haben wirklich, sind erst zwei Tage vorher für die Proben überhaupt angekommen. Für die war der ESC einfach nur ein Tourstop auf ihrer Tour. Das haben die einfach so ein bisschen dazwischen geschoben, um ein bisschen die Promotion mitzunehmen.
Und das ist ja eben auch genau das, was wir kritisieren an der Sache.
Katja: Dass man sich auch gar keine Mühe dafür gibt. Und das hat Tobi ja auch gesagt. Tatsächlich sieht man das dann ja auch an den Auftritten. Guck dir Malta an. So ein winziges Land, so eine kleine Insel im Mittelmeer, was die für eine Bomben-Show mit Kant, ach nicht Serving, sie haben es ja umgenannt.
Alexander: Macht ja nix, macht ja nix.
Katja: War das Gabriela Conti, die Sängerin?
Alexander: Gabriela Conte war das, genau.
Katja: Was die allein auf die Bühne gestellt haben. Und dann schau dir im Vergleich an mit Lord of the Lost von 2023, die da einfach nur auf der Bühne standen. Dann war da gefühlt ein Gerüst und das war's.
Alexander: Und die haben da einfach nur ihre Tour abgezogen. Und bei ABBA und Tünner trifft leider, das müssen wir echt sagen, die gleiche Kritik zu. Weil statt an ihrem Auftritt zu arbeiten, haben sie nämlich einen Tag vor dem ESC einen neuen Track veröffentlicht. Rotkäppchen heißt der.
Katja: Das müssen wir nochmal rekapitulieren lassen. Du bist bei... Bei der größten Musikshow der Welt. Bei der allergrößten. Mit 166 Millionen Zuschauern. Und anstatt dich auf deinen Auftritt zu fokussieren, fokussierst du dich...
Alexander: Manche machen das zehn Monate lang. Zehn Monate lang bereiten sie sich auf den Auftritt vor.
Katja: Jeder kleine Schritt, jeder Fingerhub wird vorbereitet auf genau diesen Auftritt. Und ABBA und Tünner haben sich darauf nicht vorbereitet. Sie haben stattdessen ihr Album fertiggestellt, um dann... Einen Tag vor dem großen Finale, wo 166 Millionen Zuschauer kommen, veröffentlichen die einen neuen Song. Das ist sowas von respektlos, Alex. Das regt mich auf. Als ich das gelesen hatte, da ist mir ehrlich gesagt...
Einspieler: Das ist wirklich richtig mies, ja.
Katja: Da ist mir die Hutschnur geplatzt innerlich. Wo ich mir dachte, was ist jetzt hier wichtiger? Ein Album oder der größte Musikwettbewerb der Welt? Euer Album hättet ihr auch direkt danach veröffentlichen können, wenn ihr vielleicht einfach nochmal fünf oder sechs... Sieben Plätze besser gewesen wärt. Dann hättet ihr noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Alexander: Aber das müssen wir auch für die Zuhörer nochmal einordnen. Viele werden jetzt wahrscheinlich wieder sagen, ja, aber vielleicht war der Song schon fertig und so weiter. Und die haben das einfach nur gemacht wegen der Platzierung. Das glaube ich nicht, denn gerade direkt vor dem Release ist noch so viel Arbeit zu tun für die Promotion, fürs Marketing. Der Song muss nochmal produziert und nachproduziert werden. Der ganze Fokus des Teams auch im Hintergrund und vor allem auch von ABBA, der ja der Musikproduzent in dem Duo ist.
Und das liegt dann eben nicht auf dem eigentlichen Auftritt, nämlich dem ESC-Auftritt, sondern die Aufmerksamkeit teilt sich dann zwischen diesen beiden Releases dann eben auf. Das heißt, sie sind nicht voll bei der Sache. Sind sie nicht. Und da rechtfertigt das auch nicht, dass Töna jetzt krank war, weil eigentlich gerade weil sie krank war, hätte man ja dann priorisieren müssen und sagen müssen, so wir fokussieren uns jetzt voll auf den ESC, weil wir sowieso schon so viel Zeit verloren haben.
Da hast du noch weniger Zeit für Proben und das ist ja offensichtlich nicht passiert. Und ehrlich, das ist fast ein bisschen Betrug an den Fans, an den ESC-Fans.
Katja: Es ist nicht nur fast ein bisschen Betrug, es ist Betrug am ESC, an dieser Größe der Show und vor allem an den Fans. Es ist einfach total respektlos gegenüber den Fans, die denen da auch die Daumen drücken. Weißt du?
Alexander: Und die sie auch jetzt hier in unseren Kommentaren auch fleißig verteidigt haben, dass das ja ein ganz guter Song wäre und so weiter. Aber das ist eben genau der Punkt. Das hätte ja ein viel besserer Song sein können. Man hätte noch viel mehr Zeit. Wenn man noch mehr Zeit in den Auftritt und in die Überarbeitung stecken können, dann hätte man auch noch ein deutlich besseres Ergebnis erzielen können. Und das sagen ja nicht nur wir, Katja, oder?
Katja: Ja, wir waren ja gestern in den Dirk Studios. Das sind die Studios, die wirklich weltweit bekannt waren. Und dort haben wir einen international renommierten Musikexperten getroffen. Und der hat den Auftritt von ABBA und Tünner auseinandergenommen. Ja. Aber was der zu dem ESC-Auftritt von ABBA und Tünner sagt, das hört ihr in der nächsten Folge. Richtig.
Alexander: Da müsst ihr noch ein bisschen warten.
Katja: Ja, da müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden.
Alexander: Für ABBA und Tünner und für das Musiklevel dahinter ist der ESC, habe ich irgendwie das Gefühl, Katja, einfach nur eine kleine Maßnahme im Marketingplan und nicht der größte Musikwettbewerb der Welt. Es geht irgendwie nur um die Promotion und um nichts anderes.
Katja: Das ist nicht nur dein Gefühl. Sondern genauso funktioniert das Musikbusiness. Allerdings ist in der Musikwelt, glaube ich, noch nicht so ganz angekommen, dass da 166 Millionen Zuschauer sind. Sondern tatsächlich ist das nur, haben sie dann zwischendurch auch nochmal einen kleinen Auftritt und dann geht es eigentlich auch direkt weiter. Genau. So ist ja nichts. Da muss man ja nichts großartig machen. Hauptsache, sie sind da, passt in den Tourplan und dann nachher im August, dann haben sie ihre Auftritte.
Bis dahin haben wir alle Tickets verkauft. So, darauf wird der Fokus gelegt. Man kann das ja auch anders machen. Also wir sind ja nun beide Marketingexperten, Alex. Absolut. Wie könnte man das anders machen?
Alexander: Man kann das auch miteinander verbinden.
Katja: Um eine bessere Show zu machen, einen besseren Gesang.
Alexander: Und dann kreiert man die Marketingmaßnahmen um diesen Song und um diesen Auftritt eben herum. So wie das ja damals auch bei Lena gewesen ist, wo sich ja alles auf ihren Auftritt fokussiert hatte und auf diesen einzelnen Song. Die Alben gab es erst viel später, die waren ja noch gar nicht produziert. So. Und ich finde die Musikindustrie, die ja letzten Endes auch die treibende Kraft dahinter ist. Bei dem deutschen Auftritt. Die ruiniert doch auch total unsere Reputation für die deutschen Auftritt.
Also nicht nur nach innen in unserem eigenen Land, sondern auch total nach außen hin. Aber die Deutschen, die es wieder nicht hinbekommen haben, einen vernünftigen Song zu produzieren. Und es gibt ja auch Leute, die das durchaus auch durchschauen. Und das ist ja dann ein noch größerer Reputationsschaden. Die wollen hier nur Geld machen, die wollen eigentlich gar nicht vernünftig am ESC teilnehmen.
Katja: Jetzt werden natürlich gleich wieder die Kritiker uns antworten. Ja, genau. Das ist ja genau der Punkt.
Alexander: Das ist ja genau der Beweis dafür, dass es um den Commerz ging.
Katja: Das ist genau der Punkt. Und ja, auch die Konzerte sind ja ausverkauft oder die verkaufen sich gut. Genau. Richtig. Ja. Das ist das Ziel der Musikindustrie. Ja. Nicht der ESC-Auftritt. Genau.
Alexander: Weil da das Geld verdient wird. Genau. Das Geld wird mit den Konzerten verdient. Nicht mal mit Spotify-Streams. Das ist alles nur Promotion für die Konzerte. Die Konzerte, damit ihr da hingeht und die Kohle ausgibt. Das ist das Ziel. Natürlich gönnen wir den kommerziellen Erfolg auch, aber man kann das auch miteinander verbinden.
Katja: Es sollte auch Respekt einfach für diese Show und für diese lange Tradition des Musikwettbewerbs da sein. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Zum Beispiel Kerja, ne? Wieder das allerbeste Beispiel, wie man das eben auch richtig machen kann. Erstmal schon vor zwei Jahren dieser riesengroße Auftritt. Ja. Schön alles mit Social Media durchgeplant, der Signature-Move, dieser coole Track und dann danach kam alles weitere. Und jetzt wieder dieser Zwischenauftritt.
Alexander: Und der hat auch die ganzen internationalen Auftritte. Der war doch jetzt erst in Japan. Ja, auf der Expo. In Osaka. Genau. Das heißt, der wird ja auch gebucht und ist kommerziell erfolgreich. Richtig. Also man kann das miteinander verbinden. Absolut. Und trotzdem gut beim ESC abschneiden. Richtig.
Katja: Da wird wirklich klug gedacht und nicht nur auf den kurzen Kommerz. Genau. Und auch auf den finanziellen Erfolg geschaut, sondern langfristig ihn als Marke zu positionieren. Und da sind wir auch wieder bei unserem Thema, nämlich dem Marketing-Thema, dass man ja nicht nur kurzfristig denken sollte. Wir wissen, dass das Musikbusiness sehr schnelllebig ist. Das ist das große Problem.
Alexander: Und wir wissen auch, dass man Geld verdienen muss und dass die Brötchen auch reinkommen. Das ist ja auch Kern unserer Ausbildung letzten Endes, dass Marketing natürlich auch immer eine finanzielle Nachhaltigkeit sicherstellen muss und es manchmal nicht nur eins hier gibt, sondern halt eben auch mal zwei oder drei.
Katja: Und umso wichtiger ist es, dass man eben langfristig denkt und den Künstler langfristig auch als Marke aufbaut und nicht nur den kurzen kommerziellen Erfolg mitnimmt. Und das passiert nämlich leider in Deutschland mit dem ESC. Und wir haben, weil wir ja in den Dirk Studios waren, noch eine Person getroffen. Also nochmal, die Dirk Studios, weltberühmtes Renommee an Musikproduktion. Und wir waren ja gestern da. Und wir haben euch ja direkt am Anfang versprochen, dass wir auch einen wirklich großen ESC-Star
getroffen haben. Die Person stand dort tatsächlich schon auf der Bühne und sie heißt Gabriela Gunki-Kowa. Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig ausgesprochen oder einfach Gabriela Gunn, so ist ihr Künstlername. Und sie stand 2016 in Stockholm beim ESC für Tschechien auf der Bühne mit dem Song
Einspieler: I Stand.
Katja: So hört sich jetzt erst klein an, aber dieser Auftritt war damals…
Alexander: Für Tschechien war das richtig krass. Richtig krass. Der absolute Kracher. Der absolute Knaller.
Katja: Denn das Thema ESC hat in Tschechien bis dato überhaupt keinen… Überhaupt nicht. Niemanden interessiert. Und sie war die erste tschechische Künstlerin, die es geschafft hatte, überhaupt ins Finale zu kommen. Man muss ja auch sehen, Tschechien ist ja nur so ein ganz kleines Land.
Alexander: Also sie ist halt schon ein ESC-Kaliber, kann man sagen. Richtig, genau.
Katja: Und nachdem sie das ins Finale geschafft hatte, ist da der absolute Hype ausgebrochen in Tschechien für den ESC.
Alexander: Und wir haben sie gefragt, was es braucht, um beim ESC zu kommen. Denn wenn es jemand weiß, dann ja wohl sie.
Einspieler: I think you need to come up with something that is intriguing, maybe a little silly. You know, some lyrics or something that will kind of just get into your head and you kind of don't know if it's meant seriously or a little silly. But it gets under your skin and grabs attention. That's what it's about. It's not just music, it's also performance and the showmanship, I think. I heard a few of the espresso… Macchiato. Macchiato. Espresso, Macchiato, Macchiato, Macchiato.
So that was a little bit silly too. So see, so see. So that is the recipe, I would say. Till this day I cannot really tell if he meant it or he was just making a joke and now he will have to sing for the rest of his life. As a punishment.
Alexander: Ja, das war ein kurzer Ausschnitt von Gabriela. Wir haben natürlich noch ein deutlich längeres Interview geführt, aber das erfahrt ihr erst in der nächsten Folge, denn wir sehen uns dann wieder. Also wir haben leider schon wieder keine Zeit mehr, Katja.
Katja: Ja, die 20 Minuten sind leider schon um, so schnell vergeht die Zeit. Ich hoffe, euch hat der Podcast gefallen, beziehungsweise wir hoffen das natürlich, wir beide. Alexander K. Ja, ich hoffe das auch. Und Katja Feller, wir freuen uns ganz doll, wenn ihr beim nächsten Mal mit dabei seid. Und da hört ihr nicht nur mehr von Gabriela, sondern auch von dem wirklich weltberühmten Musikexperten, der den Auftritt von ABBA und Tünner auseinander nimmt. Den haben wir nicht.
Den haben wir nämlich auch in den Musikstudios getroffen. Seid neugierig, seid gespannt und seid vor allem beim nächsten Mal wieder mit dabei.
Alexander: Das ist tatsächlich für uns noch ein bisschen aufwendiger vorzubereiten. Deswegen kommt die Folge ein bisschen später. Wir hoffen auf euer Verständnis. Ihr müsst euch ein bisschen gedulden, aber dafür wird es auch umso besser.
Katja: Tschüss, sagen Alex und Katja.
Jetzt reinhören
Der ESC-Podcast, der will, dass Deutschland wieder gewinnt.

