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Folge 14: SO gewinnt DEUTSCHLAND den ESC!

Cover: So gewinnt Deutschland den ESC – Folge 14
ESC-Podcast: Germany 12 Points!
Folge 14: SO gewinnt DEUTSCHLAND den ESC!
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Wie gewinnt man den ESC? In Folge 14 fällt unser geplanter Gast krankheitsbedingt aus, also nutzen Katja und Alex die Zeit für eine Grundsatzfrage: Welche Erfolgsfaktoren entscheiden beim Eurovision Song Contest, und warum scheitert Deutschland so oft daran? Die beiden gehen sechs Faktoren durch, von Social-Media-PR über Landessprache und Show bis zum Sound im Schnelldurchlauf, mit Beispielen von Loreen, Käärijä, Kalush Orchestra und Salvador Sobral. Zum Einstieg gibt es ein Update zu Tynnas Kehlkopfentzündung, die Abor & Tynnas Vorbereitung auf Basel durcheinanderbrachte.

Die wichtigsten Aussagen

1. Vor dem ESC muss der Act online schon durchstarten

Für Katja ist die Vorab-Wirkung auf TikTok und Social Media der wichtigste Faktor, wichtiger als Radiotauglichkeit:

„Also du musst als Act nicht radiotauglich sein. Du musst auch tatsächlich gar nicht den besten Auftritt dort haben, sondern du musst vorab bei TikTok und Social Media schon richtig durch die Decke gehen.“

Katja, 4:28

Als Paradebeispiel nennt sie Käärijä mit „Cha Cha Cha“ und seinen kurzen Clips. Dazu gehört klassische PR: Bei Loreen sei vorab immer wieder das Etikett „Favoritin“ gesetzt worden. Alex ergänzt, dass die Musikbranche klein ist und gute Vernetzung bei den Fachjurys hilft. Das ist unsere Einschätzung aus der Folge, kein Vorwurf an einzelne Juroren.

2. Der ESC ist kein Radio

Viele wundern sich, warum deutsche Beiträge trotz Radio-Airplay schlecht abschneiden. Katjas Antwort:

„Aber tatsächlich ist ja der ESC kein Begleitmedium wie das Radio, was man so nebenbei beim Autofahren hört, sondern ein weltweites Mega-TV-Event.“

Katja, 8:12

Im Radio soll ein Song angenehm durchhörbar sein. Im Fernsehen muss er in drei Minuten herausstechen, mit Wechseln und Brüchen, die im Radio eher stören würden. Alex bestätigt das aus eigener Erfahrung: Ohne Show funktionieren viele ESC-Songs im Auto nicht.

3. Landessprache und modern verpackte Folklore

Alex fällt auf, dass Beiträge in Landessprache oft weit vorne landen. Die Beispiele aus der Folge: Portugal 2017 mit Salvador Sobral, Italien 2021, die Ukraine 2022 mit Kalush Orchestra und ihrem markanten Flötensound. Katjas Rezept:

„Bring, ich sag mal, so ein bisschen Folklore rein, optische Folklore, aber interpretiere sie modern.“

Katja, 14:37

Für Deutschland heißt das für uns: Schlager wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Alex bringt es auf den Punkt:

„Das ist viel besser, als wenn man halt den nächsten generischen Popsong bringt, der eben einfach genauso klingt wie alle anderen Popsongs, die im Radio laufen und meistens aus den USA kommen.“

Alexander, 15:43

4. Die Show muss mitreißen

Neben der Jury entscheidet das Publikum. Käärijä hat laut Katja gezeigt, wie das geht: drei Musikstile in einem Song, knallige Farben, Tänzer und eine Hook zum Mitbrüllen. Dass die Masse mitsingt, wirke unterbewusst wie ein Signal der Akzeptanz.

„Wenn du so eine Hook reinbringst, die von Massen gesungen wird, das impliziert dem Gehirn schon Akzeptanz.“

Katja, 17:22

5. Der Sound darf im Schnelldurchlauf nicht abfallen

Hier sehen wir eine alte deutsche Schwäche:

„Er darf vor allem im Schnelldurchlauf und das ist eben extrem wichtig, nicht abfallen gegenüber den anderen Songs.“

Alexander, 17:58

Katja ergänzt: Viele schauen auf großen Fernsehern mit Soundbar. Klingt ein Beitrag dort flach, hilft auch die beste Show nicht.

6. Die Zielgruppe sitzt im Ausland

„Man fokussiert sich zu sehr auf die deutsche Zielgruppe. Die ist aber beim ESC ja überhaupt nicht die Zielgruppe, sondern die einzige Zielgruppe zuschauermäßig ist das ausländische TV-Publikum. Weil wir können ja gar nicht für uns abstimmen.“

Katja, 19:17

Dazu kommen Multiplikatoren mit Kontakten ins Ausland und die ESC-Fans in ganz Europa.

Unsere Einordnung

Die Zahlen stützen einige dieser Thesen. 2023 gewann Loreen die Jurywertung und insgesamt den ESC, Käärijä gewann dagegen das Publikumsvoting und wurde Zweiter. Jedes Land vergibt einen Jury- und einen Publikumspunktesatz, für das eigene Land darf niemand stimmen. Das ist der Grund, warum Katja die Zielgruppe im Ausland sieht. Ein kleiner Faktencheck zur Folge: Deutschlands einziger Sieg mit einem deutschsprachigen Lied bleibt Nicole 1982 mit „Ein bißchen Frieden“. Guildo Horn wurde 1998 Siebter, Stefan Raab 2000 Fünfter. Beide waren erfolgreich, gewonnen haben sie nicht. Alle Ergebnisse findest du bei den ESC-Platzierungen Deutschlands und in der ESC-Gewinner-Liste.

Zur Krankheit: Tynna hatte im April 2025 eine Kehlkopfentzündung. Bei „Eurovision in Concert“ in Amsterdam musste das Duo auf Playback setzen, den Auftritt bei der London Eurovision Party sagten Abor & Tynna ab. Ende April sang Tynna wieder live. Mehr zum Duo liest du auf der Seite zu Abor & Tynna. Unsere ausführliche Analyse, warum Deutschland beim ESC so oft verliert, steht unter Warum verliert Deutschland beim ESC?

Häufige Fragen zur Folge

Wie gewinnt man den ESC?
Aus unserer Sicht zählen vor allem: starke Vorab-Wirkung auf Social Media und in der Presse, ein Song für die TV-Bühne statt fürs Radio, ein unverwechselbares Element wie Landessprache oder modern verpackte Folklore, eine mitreißende Show, ein Sound, der im Schnelldurchlauf nicht abfällt, und der Fokus auf das Publikum im Ausland.
Darf man beim ESC für das eigene Land abstimmen?
Nein. Weder die Jury noch das Publikum eines Landes darf Punkte an das eigene Land vergeben. Deshalb muss ein Beitrag vor allem im Ausland überzeugen.
Warum funktionieren Radio-Hits beim ESC oft nicht?
Weil der ESC ein TV-Event ist. Im Radio soll ein Song angenehm nebenbei laufen, beim ESC muss er in drei Minuten mit Show, Wechseln und Höhepunkten herausstechen.

Die Folge auf YouTube

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Transkript der Folge

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Katja: Sonntagmorgen, wir sind wieder für euch da, hier bei eurem ESC-Podcast Germany 12 Points mit Alex und Katja und wir sind wieder da für euch, für die ESC-Lover und Hater.

Alexander: Wir sitzen gerade ein bisschen noch beim Frühstück und tatsächlich ist der Sven, den wir angekündigt hatten, ist leider krankheitsbedingt aufgefallen und deswegen jetzt ganz spontan.

Katja: Aufgefallen oder ausgefallen?

Alexander: Er ist krankheitsbedingt aufgefallen und ist dann ausgefallen.

Katja: Sven Tedard, den hatten wir eigentlich angekündigt für heute. Sven ist ein Fitness-Enthusiast und der sollte ein paar Einschätzungen dazu geben, wie krass eigentlich die Performance letztes Jahr der Schweiz war. Aber das holen wir alles nach, wenn er wieder gesund ist. Sven, liebe Grüße an dich und wir kriegen das schon hin. Apropos krank, bei Abor & Tynna. Tynna, da gibt es ja auch ein Problem in der Richtung, ne?

Alexander: Tatsächlich, Tynna ist krank. Sie hat eine Kehlkopfentzündung und konnte deswegen auch nicht bei Eurovision in Concert in London auftreten, beziehungsweise es wurde nur ein Playback eingespielt, also sie konnte nicht singen. Sie muss ihre Stimme schonen und da stellt sich jetzt die Frage, ob sie beim Eurovision Song Contest überhaupt auftreten kann.

Katja: Also ich kann dir ja aus eigener Erfahrung sagen, ich hatte selber schon mehrfach eine Kehlkopfentzündung, dass sie dort überhaupt hingefahren ist. Das wundert mich tatsächlich, weil bei einer Kehlkopfentzündung, das ist nicht ganz ohne, also du musst wirklich komplett drei bis vier Wochen komplett deine Klappe halten, also du darfst nicht mal reden tatsächlich, von Singen sowieso ganz abgesehen und Kehlkopfentzündung ist auch ein bisschen problematisch, weil einerseits fühlst du dich gut tatsächlich, du fühlst dich jetzt nicht so, als hättest du eine Grippe, aber dein Körper ist komplett runtergefahren.

Also bei mir war das damals so, als ich... Ja, ich hatte das, wie gesagt, ein paar Mal hatte, komplette Kreislaufprobleme, ich habe mich sehr, sehr schwach gefühlt, das heißt, wenn ich draußen zum Beispiel zu Fuß gegangen bin, ich war nach ein oder 200 Metern schon total erschöpft, aber man hat so nicht dieses innere Krankheitsgefühl, wie jetzt beispielsweise bei einer Grippe, das ist irgendwie anders. Man hat auch in dem Sinne keine Schmerzen und diese Schwäche nimmt man tatsächlich auch erst wahr in Aktivität und deswegen wundert mich, dass sie da überhaupt hingeflogen ist.

Also ist nicht unbedingt... Das ist nicht unbedingt so praktikabel für die Regeneration.

Alexander: Vielleicht unterschätzt sie das auch ein bisschen, ja, das kann sein.

Katja: Ja, das glaube ich nämlich fast auch, dass das ein bisschen unterschätzt wird und die hat sich das bestimmt geholt, weil die, ja, es war ja vorher die Rede von einer Erkältung und ich glaube, das hat die verschleppt. Das ist meistens so der Fall, das geht dann recht schnell nach vorne.

Alexander: Du möchtest performen und du fühlst dich auch gar nicht so schlecht und machst dann den Auftritt und das verschlimmert dann die ganze Lage, aber es stellt sich jetzt... Ja.

Katja: Warte mal, das Problem ist nämlich für eine Sängerin eine Kehlkopfentzündung. Kehlkopfentzündung ist jetzt auch gar nicht so ohne, weil wenn du dich zu früh wieder belastest, also das ist dann nicht so, dass du jetzt, ich sag mal, bei einer Grippe oder bei einer Erkältung so nach dem Motto, ach, heute noch ein bisschen und übermorgen fühlst du dich direkt wieder gut, so ist das nicht, sondern das ist so ein ganz schleichender Prozess, wo du dich auch erst wieder rantasten musst mit Sprechen, weil du musst ja wirklich komplett deine Klappe halten und auch mit Singen und die Zeit ist ja jetzt auch nicht mehr so richtig vorhanden.

Also wir haben ja jetzt im Prinzip nur noch einen Monat. Ja, fast weniger als anderthalb Monate. Das wird knapp werden. Ja, schwierig und für einen Sänger kann das tatsächlich auch zur Folge haben, wenn du zu früh wieder startest, dass sich da Knötchen bilden auf den Stimmbändern und dann... Ist die Stimme im Arsch. Ist deine Stimme... Ja. Ja, genau. Also wir drücken die Daumen. Ich wollte bloß nochmal so ein paar Hintergründe erklären, dass man das so ein bisschen einordnen kann. Es ist nicht ohne eine Kehlkopfentzündung. Wir drücken die Daumen, dass das was wird.

Es ist auch so, wenn dann nachher die Generalprobe ist, das wird schon direkt aufgezeichnet. Das heißt, falls es am nächsten Tag gar nicht mehr gehen sollte, wird dann tatsächlich im Fernsehen für uns der Auftritt der Generalprobe ausgestrahlt. Also wir hoffen, dass das alles gut geht.

Alexander: Aber lass uns doch mal darüber sprechen, Katja. Wie kann man den ESC überhaupt gewinnen? Was sind die Erfolgsfaktoren? Wir haben immer wieder auf unsere Erfolgsfaktoren verwiesen in der Sendung und haben ja auch schon einige genannt. Aber was sind denn jetzt eigentlich alle Erfolgsfaktoren? Wie gewinnt man den ESC? Katja, sag mal, müssen wir doch mal darüber sprechen, oder?

Katja: Intern unter uns haben wir das ja schon mal herausgearbeitet. Es ist nicht ganz so einfach, aber ich glaube, ein wichtiger Erfolgsfaktor ist einfach, dass du über Social Media vorab direkt performst. Also du musst als Act nicht radiotauglich sein. Du musst auch tatsächlich gar nicht den besten Auftritt dort haben, sondern du musst vorab bei TikTok und Social Media schon richtig durch die Decke gehen. Genau. Und das haben wir mit Finnland vorletztes Jahr ja gesehen mit diesem lustigen, wie hieß denn der nochmal hier?

Cha-cha-cha. Cha-cha-cha, genau. Genau, das war halt tatsächlich der perfekte TikTok-Act. So ganz kurze Clips immer wieder, wo sie das performt haben, ob auf dem Klo oder egal wo sie waren. Lustige Kostüme. Ja, lustige grün ins Auge stechende Kostüme.

Alexander: Und die haben auch diesen Signature-Move mit dem Arm immer dieses hin und her gehebeln.

Einspieler: Ja, dieses Wackeln, genau.

Alexander: Das war total einleuchten. Dann? Das hat man sich direkt gemerkt.

Katja: Genau, dann können wir gleich dazu bringen, dass man, das gehört ja mit dazu, also man muss vorab intensiv PR betreiben.

Alexander: Das ist ja dein Expertenfeld sozusagen, also da bist du die Expertin.

Katja: Das fällt da direkt mit rein. Wir erinnern uns noch an Loreen, als die gewonnen hatte vorletztes Jahr. Da gab es von vornherein nur eine Bezeichnung Favoritin. Da gab es gar nichts anderes. Das heißt, es wurde durchgetriggert durch die Medien und innerhalb ihres Netzwerkes. Also des großen musikalischen Netzwerks der Plattenfirmen im Hintergrund und der Musikexperten, die ja zur Hälfte die Punkte vergeben. Immer wieder und immer wieder wurde da der Anker gesetzt. Favoritin, Favoritin, Favoritin. Und irgendwann knallt sich das ins Gehirn ein.

Das heißt, die Bewertung findet dann automatisch auch viel höher statt.

Alexander: Ja, genau, Katja. Du hast ja gerade einen richtigen Punkt genannt, nämlich die Expertenjuries. Das sind ja alles Leute, die in irgendeinem... Die in irgendeiner Weise mit der Musikindustrie verbandelt sind. Und man muss auch dazu sagen, dass die Musikindustrie ja keine große Branche ist, sondern das ist eine sehr kleine Branche, in der man sich eben untereinander eben kennt. Und gerade da ist es eben wichtig, besonders vernetzt zu sein. Und das ist Loreen und ihr PR-Team im Hintergrund.

Und dadurch ist sie automatisch eine Favoritin, weil sie eine persönliche Beziehung zu den Juries hat. Und das können wir auch am Ergebnis beweisen. Sie hat nicht mit den Zuschauerpunkten gewonnen, sondern Loreen hat mit den Expertenjurypunkten gewonnen. Nur dadurch, dass sie halt eben... Sie hat natürlich auch ein paar Zuschauerpunkte bekommen, aber nicht so viele wie der zweitplatzierte Cha-Cha-Cha aus Finnland, der Publikumsliebling gewesen war.

Katja: Genau, der wurde auch nicht so hoch gerankt von den Juries. Der ist ja, glaube ich, erst hochgekommen durch die Publikumspunkte tatsächlich.

Alexander: Ja, genau. Das ist ein absoluter Publikumsfavorit gewesen, während Loreen der Juryfavorit gewesen ist. Und halt natürlich... Weil sie eben sehr beliebt ist, auch noch ein paar Punkte beim Publikum gemacht hat. Und in der Kombination hat sie dann gewonnen. Aber es war kein starker Sieg, dass sie eben beim Publikum und bei den Experten abgeräumt hat, sondern es ist tatsächlich im Wesentlichen durch die Expertenpunkte zustande gekommen.

Katja: Ich muss essen nebenbei eigentlich. Ich habe so ein Stück Puddingbrezel oder Puddingplunder gedöhnt. Ich muss mal die Hand abwischen, weil das klebt auch alles. Da fehlt so viel Zucker eigentlich drauf. Mag ich gar nicht so. Aber am Sonntag darf das mal sein. Und dann gibt es noch weitere Erfolgsfaktoren. Lass uns da mal weiter drauf eingehen.

Alexander: Genau. Was ja vielen auch vor dem Fernseher, gerade bei den deutschen Beiträgen immer auffällt, dass die Songs sich sehr radioähnlich anhören. Aber das ist eben gerade kein Erfolgsfaktor für den ESC, Katja, oder?

Katja: Ich habe gerade Puddingbrezel im Kehlkopf, wollte ich gerade sagen, aber so ähnlich. Tatsächlich wundern sich in Deutschland immer alle, ja, warum ist denn Deutschland nicht so erfolgreich? Im Radio läuft das doch und es ist so ein schöner Song, die Puddingbrezel. Aber tatsächlich ist ja der ESC kein Begleitmedium wie das Radio, was man so nebenbei beim Autofahren hört, sondern ein weltweites Mega-TV-Event. Also das muss man konkret unterscheiden. Um hier beim ESC zu gewinnen, brauchst du diese ganze PR vorab und du musst natürlich dann in der Show überzeugen.

Das heißt, es ist egal, ob das im Radio schön klingt oder nicht. Das interessiert keine Socke. Die Show muss überzeugen. Im Fernsehen, beziehungsweise online, wo man es halt sieht. Das heißt, wir haben einerseits ein Mega-TV-Event, da muss der Song performen und wir haben das Radio, was eine ganz andere Funktion erfüllt. Das heißt, um bei so einem Mega-TV-Event erfolgreich zu sein, darf die Songstruktur eines dreiminütigen Songs nicht klingen wie beim Radio,

sondern sie muss im Prinzip so groß sein, dass sie einfach nicht so groß ist. Eine 90-minütige Show in sich abbildet und deswegen ist ja gerade der moderne Trend seit zwei, drei Jahren, dass du so viele Wechsel innerhalb der Songs hast, was im Radio vielleicht nicht so gut kommt und sehr irritierend klingt. Da ist es besser, wenn das in sich ein bisschen harmonischer ist, weil du hörst Radio nebenbei, da soll ein Song nicht nerven. Und bei einem Mega-TV-Event, da darf der Song nerven, der darf richtig herausstechen.

Das heißt, wir haben hier eigentlich... Zwei komplett gegenüberstehende Systeme, nämlich einmal Radio und einmal ESC.

Alexander: Und daher kommt das ja dann auch, ich habe mir auch im Auto ein paar der ESC-Songs nochmal angehört, aber das habe ich mir dann tatsächlich irgendwann... Also ich habe mir die Songs nicht sehr oft angehört, weil das funktioniert einfach nicht, wenn du die Show dazu nicht siehst. Das ist nicht durchhörbar.

Katja: Hat es dich genervt tatsächlich ein bisschen? Du hast sie online sicherlich gehört.

Alexander: Ich habe es mit YouTube Music im Auto, das ist wie Spotify, habe ich das mir angehört. Ich habe es eigentlich nur auf den Lautsprechern gehabt, weil ich musste ja Auto fahren, dann kann ich mir keine Show angucken, logischerweise. Ich möchte in den nächsten Baum fahren, dann kann ich mir das auch angucken.

Katja: Ja, weil beim Radio muss der Song durchhörbar sein. Das ist ganz, ganz wichtig. Also wenn du fürs Radio einen Song produzierst, muss der durchhörbar sein, er muss angenehm sein, sag ich mal so, dass du da auch weiterhören möchtest. Weil du dich ja vollkommen auf das Gehör fokussierst, während ja im Fernsehen... Sekunde. Während ja beim Fernsehen viel mehr Sinne angesprochen werden. Und da ist natürlich die Optik, die Show fast noch wichtiger als jetzt die Durchhörbarkeit.

Es geht beim ESC nicht um die Durchhörbarkeit. Gar nicht.

Alexander: Was mir auch aufgefallen ist, dass Songs, die in der Landessprache gesungen worden sind, dass die tatsächlich häufig immer sehr weit vorne gelandet sind. Also ein deutscher Beitrag ist zum Beispiel, der auf Deutsch sehr weit vorne gelandet ist, ja ein bisschen friedlich. Den kennt, glaube ich, jeder.

Katja: Stimmt, du hast recht. Erinnere dich an Stefan Raab und an Gildo Horn. Die waren auch alle auf Deutsch gesungen. Die waren sehr weit vorne, sehr, sehr weit vorne. Mal ganz abgesehen von den ganzen ausländischen Beiträgen. Die Franzosen, die ja eigentlich immer auf Französisch singen.

Einspieler: Die sind auch immer sehr weit vorne.

Katja: Und in der Vergangenheit die osteuropäischen Beiträge. Ukraine, sag ich dann nur. Oder aus den Balkanländern, die ja auch sehr häufig ihre Sprachen mit ins Spiel bringen, was sehr gut ankommt beim Publikum.

Alexander: Ja, 2022 hat die Ukraine ja auch gewonnen. 2021 Italien, aber auch auf Italienisch.

Katja: Ah, und dann, genau, ich erinnere mich, Portugal 2017. Salvador Sobral, der auf Portugiesisch seine Ballade gesungen hat. Boah, da kriege ich ja immer noch Gänsehaut. Das kann ich nur empfehlen. Hört euch mal von Salvador Sobral, Amor Pelos Dois. Ich hoffe, ich habe es jetzt richtig ausgesprochen. Hört euch das mal an. Es ist einfach wunderschön. Und den Song kann man sich tatsächlich auch anhören ohne die Show, wobei sein Auftritt auch einfach einzigartig ist.

Der war übrigens auch krank, der Salvador Sobral. Schwerkrank. Ihm wurde von Ärzten abgeraten. Eine schwere Herzkrankheit hat er gehabt. Ihm wurde vom ESC abgeraten. Und er hat kurz nach dem ESC 2017, da hat er ja gewonnen, eine Herztransplantation bekommen. Ja, ja, also es war auch sehr, sehr dramatisch. Und seine Schwester, die den Song geschrieben und komponiert hat, hatte ihn dann ja nochmal sogar unterstützt. Ich glaube, sogar im Halbfinale ist nicht sie auch aufgetreten.

Irgendwo ist sie eingesprungen, weil es ihm gerade nicht gut ging. Irgendwo war das nochmal. Ich glaube, bei der Probe sogar. Ja, also da hatten wir das Problem. Das Problem auch, sogar noch in einem viel schweren Ausmaß. Aber wo wir jetzt schon, Alex, bei den Landeselementen sind. Der eine Erfolgsfaktor ist ja nicht nur die landestypische Sprache, sondern da hängt noch was mit zusammen?

Alexander: Landestypische Elemente, zum Beispiel wie Kostüme, die typisch in deinem Land sind. Und Instrumente, die es typischerweise nur in deinem Land gibt. Dass halt einfach der Look der Show landestypisch ausgeprägt ist. Da haben wir auch Beispiele für. Ich kann mich jetzt gerade nicht daran erinnern, aber die Ukraine ist doch auch mit ganz ausgefallenen Kostümen 2016 aufgefallen. Weißt du das nicht mehr?

Katja: Ja, das war die Band Kalusch, die mit Stefania gewonnen hatte 2022. Und ich erinnere mich noch an den einen, der aussah wie so eine Waschbürste in der Waschanlage. Aber trotzdem. Die hatten ja ganz unterschiedliche Kostüme. Die waren das von herr sieben, acht Leute, die auf der Bühne standen. Dann diese Flöte, die da so sehr prägnant war und für mich auch sehr landestypisch klang. Sie waren ja in einem sehr modernen Look. Und das ist das, was wichtig ist.

Bring, ich sag mal, so ein bisschen Folklore rein, optische Folklore, aber interpretiere sie modern. Modern verpackt. Ja, genau. Modern verpackt. Und das zieht immer beim Publikum. Das lieben die Leute. Erinnerst du dich an Gildo Horn? Als der gewonnen hatte? Als der gewonnen hatte, mit seinem Schlager-Song, der war ja auch so gekleidet, also so halt typische 70er Jahre Schlagerkostüm. Er hat Schlager gesungen, womit, ich sag mal, gerade in Europa oder in den angrenzenden Ländern an Deutschland viele ja auch mit Deutschland verbinden.

Das heißt, wir hatten ja letztes Jahr, erinnerst du dich, wir hatten letztes Jahr für uns schon analysiert, Schlager wäre eigentlich auch richtig cool.

Alexander: Ein starker USP, weil der ist deutsch. Ja, das wäre ein ganz Schlager. Schlager ist halt deutsch und das ist eben genau der Punkt. Jedes Land hat ja so typische Faktoren, das gibt es ja auch auf Social Media, die Deutschen immer mit, dass sie das Fenster aufklappen und immer lüften. Jedes Land hat so typische Elemente, für die es international bekannt ist und mit diesen Elementen kann man eben spielen, weil das ist nämlich eine USP, das sagt man im Marketing.

Das ist eine Position, die dich einzigartig macht und gegenüber anderen positioniert, genau. Und das lieben die Leute, das lieben die Leute. Mit diesen typischen Deutsche sind so, Amerikaner sind so, Ukrainer sind so und wenn man eben mit diesen Elementen spielt und die wirklich da reinbringt und sich darüber positioniert, dann grenzt man sich total ab. Das ist viel besser, als wenn man halt den nächsten generischen Popsong bringt, der eben einfach genauso klingt wie alle anderen Popsongs, die im Radio laufen und meistens aus den USA kommen.

Das ist beim ESC halt nicht so wichtig.

Katja: Genau, da sind wir beim nächsten Punkt. Es zählt eben nicht allein der Song, sondern es zählt wirklich die ganz großen. Große Show, die das Publikum begeistert, die es am Ende mitreißt. Wir haben zwar gesagt vorhin 50 Prozent, da haben wir uns auf die Jury fokussiert, aber eben die anderen 50 Prozent haben wir als Zuschauer ja in der Hand. Und Carrier hatte, fand ich, eine super Anleitung dafür gegeben. Das war Finnland, die mit Cha-Cha-Cha aufgetreten sind und dann ja nach Lorraine den zweiten Platz belegt haben.

Was da in der Show alles drin war, also der hat ja quasi drei verschiedene Musikstile da reingebracht. So Dark, dann Techno und dann Dance und auch Eurodance und dann von der Show. Es hat sich komplett verändert. Dann diese Tänzer und alles in so knalligen Farben. Das war einfach der Wahnsinn. Ich liebe das immer noch.

Alexander: Und diese prägnante Hookline, die halt von den Massen gesungen worden ist. Dass man gleich mitbrüllt.

Einspieler: Ja, das ist auch.

Katja: Übrigens, das ist ein unterbewusster psychologischer Faktor tatsächlich. Wenn du so eine Hook reinbringst, die von Massen gesungen wird, das impliziert dem Gehirn schon Akzeptanz. Das heißt, unterbewusst sorgt das auch bei dir für Akzeptanz. Das sind dann so Sachen, die im Marketing, in der Konsumentenforschung tatsächlich behandelt werden. Beziehungsweise. Beziehungsweise in der Marketingpsychologie oder in der allgemeinen Psychologie eine Rolle spielen.

Zum Sound, Alex.

Alexander: Ja, da haben wir ja bisher, haben die deutschen Beiträge ja auch nicht so gut abgeschnitten. Der Sound muss herausstechen, der muss fett klingen, voluminös sein oder er muss zumindest sauber sein. Er darf vor allem im Schnelldurchlauf und das ist eben extrem wichtig, nicht abfallen gegenüber den anderen Songs. Weil da wird ja der harte Vergleich gezogen von den Leuten, die dann am Ende anrufen. Und ihre Stimme abgeben in diesem Schnelldurchlauf. Weil du kannst ja die Beiträge, das sind ja sehr viele Beiträge, ja gar nicht merken einzeln.

Aber deswegen guckst du ja nochmal den Schnelldurchlauf an. Deswegen gibt es den ja.

Katja: Und wir dürfen nicht vergessen, viele Menschen haben mittlerweile sehr große Fernseher und auch Soundbars angeschlossen. Also wer sich so einen teuren Fernseher kauft, der möchte natürlich auch einen fetten Sound haben. Und darüber muss das natürlich auch performen. Wenn das über die Soundbar komisch klingt. Oder zu flach, dann bist du sofort unten durch. Dann kann die Show noch so gut sein.

Alexander: Das ist total psychologisch. Du kannst dich da gar nicht gegen wehren, wenn der Song, den du vielleicht vom Auftritt her ganz nett fandest, in diesem Schnelldurchlauf im Vergleich zu dem Song, der vorher gekommen ist und danach gekommen ist, eben total abfällt und ganz flach klingt, wie das bei einem deutschen Beitrag mal gewesen ist. Es war diese Rockband. Rock, das muss ja eigentlich total nach vorne gehen. Und das klang total flach.

Katja: Und wir haben noch ein anderes Problem. Was die meisten sagen. Was die meisten Leute halt gar nicht sehen hier in Deutschland, weshalb Deutschland international beim ESC halt meistens auch nicht performt. Man fokussiert sich zu sehr auf die deutsche Zielgruppe. Die ist aber beim ESC ja überhaupt nicht die Zielgruppe, sondern die einzige Zielgruppe zuschauermäßig ist das ausländische TV-Publikum. Weil wir können ja gar nicht für uns abstimmen.

Alexander: Die zweite wichtige Zielgruppe sind Menschen aus dem eigenen Land, die als Multiplikatoren innerhalb des Musikgenres, beziehungsweise innerhalb der im Ausland ansässigen Verwandtschaft, beziehungsweise des Freundeskreises auftreten tatsächlich. Die dann den Song bei denen promoten. Da ist wieder dieser Netzwerkeffekt. Richtig, genau.

Katja: Und warum innerhalb des Musikgenres? Das sind aber nur ganz, ganz wenige Leute natürlich. Genau. Wegen der Jurywertung im Ausland. Deshalb. Und natürlich die dritte primäre Zielgruppe sind einfach ESC-Fans. Wie wir natürlich im Ausland. Und wie ihr.

Einspieler: Und wie ihr, richtig. So. Ja.

Katja: Das sind so die grundlegenden Erfolgsfaktoren. Und Alex, wenn ich auf die Zeit schaue, gruselt es mir ein bisschen. Ich glaube, wir haben überzogen. Ich weiß es nicht. Wir haben ja ein bisschen vorgeplänkelt, bevor wir aufgezeichnet haben. Wir danken euch fürs Zuhören. Wir machen jetzt einfach Schluss, damit wir nicht über die 20 Minuten kommen. Dankeschön. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Der ESC-Podcast, der will, dass Deutschland wieder gewinnt.

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